»Falschspieler in Sachen Liebe «

Alzenauer Burgfestspiele: Theaterverein kultBurG glänzt mit "Gefährliche Liebschaften"

Alzenau Letzte Sonnenstrahlen finden ihren Weg durch die Äste der gewaltigen Kastanie im Oberen Burghof. Höfische Musik erklingt und eine lebendige und nicht engagierte Krähe irgendwo auf den Zinnen der Burg Alzenau eröffnet mit dreimaligem Krächzen und faszinierend passend die zweite Premiere der Alzenauer Burgfestspiele, "Gefährliche Liebschaften".

Psychologisch feines Spiel

160 Menschen füllen den intimen Spielplatz und lassen sich vom Theaterverein kultBurG faszinieren. Drei Stunden lang spielen sich auf der kleinen Bühne menschliche Dramen ab, die in psychologisch feinem Spiel dargestellt werden. Regisseur Josef Pömmerl hat mit seinen neun Akteuren die richtige Besetzung gefunden, um einen der bekanntesten französischen Romane von Pierre-Ambroise-Francois Choderlos de Laclos in der Theaterfassung von Christopher Hampton mit Leben zu erfüllen.

Zugegeben, die dreistündige Aufführung hat auch ein paar Längen, die Pause nach 100 Minuten ist definitiv zu spät und eine halbe Stunde braucht die Truppe, um sich richtig warm zu spielen, doch dann fesselt das Stück um den Vicomte de Valmont, den Christian Pohl so herrlich fies und abgrundtief intrigant gibt, ungemein. Sein weibliches Gegenstück ist die Marquise de Merteuil, die Carolin Gündling mit weiblicher Boshaftigkeit spielt.

Die Opfer der beiden, wenn man sie denn so nennen mag, werden von Ursula Stöckl (Madame de Tourvel), Hannah Jebe (Cécile de Volanges) und Matthias Woltering (Chevalier Danceny) glänzend in Szene gesetzt. Man lebt in der dekadenten Gesellschaft vor der französischen Revolution und vertreibt sich die Langeweile damit, Intrigen um Lust und Liebe zu spinnen.

Rund um die himmelblaue Chaiselongue, auf der sich mehr als ein Pärchen mit mehr oder weniger echten Gefühlen der Liebe hingibt, stehen meterhohe und zunächst verhüllte Spiegel. Nach jedem Akt wird ein Spiegel enthüllt und zeigt dem Intrigenpärchen Valmont und Merteuil sein wahres Gesicht. Doch was sehen sie? Auf den ersten Blick ein opulent gekleidetes, aufs feinste frisiertes und mit Schmuck verschöntes Pärchen.

Aber hinter der glitzernden und funkelnden Fassade lauern zwei böse Seelen, die sich am Unglück anderer ergötzen. Sie sind Falschspieler in Sachen Liebe, verführen, um Macht zu besitzen und Macht auszuüben.

Unmoralische Angebote und bald mehr schaukeln sich hoch, aus einem zarten Kuss auf eine nackte Schulter entwickelt sich eine hemmungslose Gier. Am Ende scheinen die zwei die Kontrolle über das gefährliche Gefühls-Karussell zu verlieren, verfangen sich in ihren klebrigen Spinnenfäden.

Nicht zu kurz kommt an diesem Abend der Humor. Wenn sich die Marquise de Merteuil für mehrere Liebhaber ausspricht, klingt das so: "Ausschließlichkeit ist total ungesund!". Und wenn eine Frau die "elementaren Vorsichtsmaßregeln" beachtet, stehen ihr ohnehin alle Möglichkeiten offen. Dabei hatte die Marquise Glück mit ihrem Ehemann: "Gerade als er anfing, mir lästig zu werden, hatte er das Taktgefühl zu sterben."

Das Ensemble wird von Carmen Reichenbach und Inge Mayer souverän komplettiert sowie von Rebekka Rüth und Pascal Träger, die den "Pausenvorhang" in Form eines extrabreiten Paravents nach jeder Szene unermüdlich auf und wieder zu klappen.

Dem Theaterverein kultBurG ist es mit Spiellust gelungen, "Gefährliche Liebschaften" in einer schlüssigen Inszenierung zu inszenieren. Eine starke Gemeinschaftsleistung der Truppe sorgt für spannende Theaterunterhaltung unter freiem Himmel, zu der Petrus zumindest bei der Premiere sein Okay gab und sogar durch einige kräftige Windböen, die Haare und Kostüme bauschten, dramatische Akzente setzte. Doris Huhn

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