Falscher Klingelton als Liebestöter

Neue Spielform: Kultburg-Teens überzeugen bei Zimmertheater-Premiere mit »Heim Happiness« und »Handy-Stories«

Alzenau. Das Theater ist so groß wie ein geräumiges Wohnzimmer, die Deckenlampen fungieren als Scheinwerfer, die Musik kommt aus dem Kassettenrekorder, das Publikum sitzt eng gedrängt und erwartungsvoll auf Klappstühlen. So intim-gemütlich ging es am Wochenende im »Zimmertheater«, den Proberäumen des Alzenauer Theatervereins Kultburg, zu, wo die Teeniegruppe am Samstag (ausverkauft mit 50 Besuchern) und Sonntag mit zwei Stücken (jeweils circa 30) auftrat.

Durch die Räumlichkeiten erhält das Theater einen improvisierten, leicht experimentellen Charakter. Man ist mitten drin, voll dabei und geht fast auf Tuchfühlung mit den Darstellern. Das Wort »live« erhält hier eine ganz besondere Bedeutung. Und für die Theaterspieler bedeutet der Auftritt noch einmal eine Nuance mehr Lampenfieber, als wenn man auf einer Bühne weit weg vom Publikum agiert. Die für KultBurG neue Spielform soll auch in Zukunft gepflegt werden.

Die acht Teens unter der Regie von Gertrud Englert-Schauer haben am Wochenende den Testlauf gestartet und die Bewährungsprobe prima bestanden. Die 13- und 14-Jährigen sind aus der Kids-Gruppe heraus gewachsen und suchten nun erfolgreich nach neuen Ansätzen. Unter dem Titel »…ernst und heiter und so weiter…« spielen sie für Menschen ab zwölf Jahren zwei Stücke, die für die Gruppe adaptiert wurden. Kira Heininger, Steffen Edlinger, Isabella Reichenbach, Sandra Englert, Stella Muthorst, Rebekka Rüth, Niklas Bister-Reichardt und Julia Schauer beginnen mit »Heim Happiness«. Das ernste Thema spielt in einem Therapieheim, in dem Dr. Happiness und Dr. Heim Patienten mit Happiness-Spray ruhig stellen, gerne mal mit doppelter Dosis. »Hier wird nicht gedacht«, ermahnt Dr. Heim.Das Publikum schwankt bei der krassen Darstellung zwischen Lachen und Weinen.

»Übles, problematisches Problem«

»Handy-Stories« thematisiert den Kult- Gegenstand Nummer Eins bei der Jugend und erzählt in kurzen Szenen zwischen Friseursalon, Boutique und Pub, welche Formen der Kultstatus annehmen kann. Da trifft ein junges Pärchen die Liebe auf den ersten Blick und schwebt auf Wolke Sieben – bis ihr Handy klingelt, blöderweise mit einem falschen, uncoolen, nicht angesagten Klingelton! Ihm bleibt nichts anderes übrig, als das Weite zu suchen… Kein Handy zu haben ist eine Katastrophe, aber ein falsches Handy zu haben, ein »Steinzeit-Handy«, ist ein »übles, problematisches Problem«. Der Super-Gau tritt ein, wenn jemand sein ultracooles Handy verliert, er ist geoutet als Mensch, der kein Handy hat (»Mit der kann man nicht simsen, nicht chatten, gar nichts!«). Inklusive ständiger Unterbrechungen durch Handy-Werbung bringen die Teens das Stück witzig, zügig und unterhaltsam auf die Bühne. Am Ende gibt es gibt’s dicken Applaus. Kräftigen Beifall erhielt auch der Kultburg-Chor. Die Kultburg-Raben machten mit zwei Stücken aus ihrem Programm »Fiese Möp« Appetit auf einen Raben-Abend.

Doris Huhn

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