Konzert: Chor unterhält 100 Gäste im Rittersaal bestens

Alzenau Ihr drittes eigenes Musikprogramm stellten die Kultburg-Raben, der Chor des Alzenauer Theatervereins Kultburg, am Sonntagnachmittag im Rittersaal der Burg vor und bescherte mit »Man lebt so kurz und ist so lange tot« manchem der rund 100 Konzertbesucher das Highlight des Muttertages.

Der Berliner Revue widmeten die 18 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Jürgen Wahl den zweistündigen Reigen aus Hits der 20er und 30er Jahre mit politischen, erotischen, lyrischen und komischen Texten. Bereits am Samstagabend war die Premiere des Programms in Hainburg über die Bühne gegangen. Trotz zurückhaltender Besucherresonanz (55 Zuhörer) war die Stimmung auch bei den hessischen Nachbarn großartig. Und beim »Heimspiel« wurde das Ganze natürlich noch einmal getoppt - und das nicht nur in Hinblick auf die Besucherzahl. 

Als Moderatorin konnte der Chor erneut einen seiner größten Fans, Marianne Hofmann, gewinnen. Selbstredend beließ es die Kultburg-Darstellerin nicht bei einer bloßen Umschreibung der Stücke. Sie bereicherte das Programm mit Kommentaren, die Chor und Publikum inspirierten, agierte in »Mein Papagei frisst keine harten Eier« als Papagei und krächzte »Jaja, die mag ich nicht!« und »Igittigitt!« in die Runde oder kommentierte kleine Hänger des Chores mit den Worten: »So kennen wir euch! So lieben wir euch!«

Zylinder und Glitzerkleider

Eine wahre Augenweide stellten die Raben samt Ober-Rabe Jürgen Wahl dar. Zeitgemäß waren die Männer in Anzug und Zylinder gekleidet, die Damen hatten mit Glitzerkleidern, Federboas, Perlenketten, Handschuhen und schicken Hütchen ganz tief in die Kleiderkisten gegriffen und sahen einfach großartig aus. Bis ins Detail stimmte hier alles: Die Noten waren in alte Zeitungsausschnitte eingelegt und zu trinken gab es Berliner Weiße.

Bereits beim ersten Stück »Robes Modes« war der Chor voll da. Mit Schwung und Zündkraft sangen sie den blitzgescheiten Text über das bunte Treiben in einem Berliner Kaufhaus im Jahr 1925, aggressiv, munter und pfiffig. Auf den Punkt gesungen überzeugte auch »Ausgerechnet Bananen«, zu dem Josephine Baker in ihrem skandalösen Bananen-Kostüm per Lichtbild in den Rittersaal geholt wurde. Das komplette Programm wurde übrigens von Pianist Jens Nimbler absolut zuverlässig begleitet.

Gastsolist Heiko Fiedler (Tenor) präsentierte sich im schwarzen Rüschenhemd mit »Schöner Gigolo, armer Gigolo«. Marion Emmert aus dem Chor sorgte hier genauso für Trommel-Begleitung wie in »Tamerlan« aus dem zweiten Teil. In »Isabella von Kastilien« mutierte Marianne Hofmann zur Titelfigur, während Heiko Fiedler das Stück mit Temperament absolvierte. Super gesungen überzeugte vom Chor das bereits erwähnte Papageien-Lied, aber auch das letzte Stück vor der Pause, »Ich hab das Fräul’n Helen baden sehn«, bei dem eine Sängerin mutig den Rock lüpfte.

Romantische Stimmung

Die gute Stimmung im Rittersaal konnte im zweiten Teil mühelos gehalten, ja sogar gesteigert werden. Im Duett verbreiteten die Solisten Waltraut Hein (Sopran) und Heiko Fiedler Romantik pur »In einer kleinen Konditorei«, das als Zugabe wiederholt wurde. Der Tenor begab sich anschließend »In die Bar zum Krokodil«, bevor er sich anschließend beklagte: »Kein Schwein ruft mich an«. Um diesem Manko abzuhelfen, lüpfte er nach dem Stück sein Hemd und offenbarte ein Schild mit »seiner« Telefonnummer: 06023/0815 …

Mit »Wochenend’ und Sonnenschein« sowie dem Oldie-Klassiker »Was machst du mit dem Knie, lieber Hans?« mit vorheriger Charleston-Kostprobe sangen sich die Kultburg-Raben mit Lust und Liebe ans Ende ihres Programms. Wenn die Sonne zu diesem Zeitpunkt nicht schon lange durch die hohen Fenster geschienen hätte, wäre sie bei »Veronika, der Lenz ist da!« sicher herausgelockt worden.

Doris Huhn

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